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Trost-Orgel

Häselrieth

Restaurierung 2015 Erbauer: Johann Michael Schmidt/Schmiedefeld, 1870

Disposition:
Hauptwerk

, C...f3

Principal 8'
Bordun 16'
Hohlflöte 8'
Viola di Gamba 8'
Gedackt 8'
Hohlflöte 4'
Octave 4'
Quinte 2 2/3'
Octave 2'
Mixtur 4-fach 2'
Oberwerk

, C...f3

Salicional 8'
Flauto amabile 8'
Flauto Traverso 8'
Gedackt 8'
Flaut amabile 4'
Gemshorn 4'
Trompete 8' nicht spielbar
Pedal

, C...f1

Principalbaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Gedacktbaß 8'

  • Manualkoppel
  • Pedalkoppel
  • Sperrventil zum Hauptwerk
  • Sperrventil zum Oberwerk
  • Sperrventil zum Pedal
  • Kalkantenzug
  • ein freier, nicht verwendeter Zug ohne Beschriftung

Die Orgel in Häselrieth ist ein solides, schön gefertigtes Orgelwerk aus der zweiten Hälfte des 19.Jhd. Der Erbauer Johann Michael Schmidt aus Schmiedefeld hat in vielerlei Hinsicht noch sehr traditionell gearbeitet (Balganlage noch nicht mit Magazinbalg, Sperrventile (!)), andererseits aber auch mit damals modernen Bauweisen experimentiert und neue Entwicklungen aufgegriffen (Tontraktur, durchschlagende Trompete). Dies verleiht der Orgel ein ganz eigenes Gepräge und macht sie zu einem unbedingt so zu erhaltenden Unikat.

Die Orgel war seit ihrer Erbauung vermutlich nie komplett überarbeitet worden und hatte damit nun über 140 Jahre Dienst getan. Auch wenn sich die zunächst auffälligen Mängel vorwiegend leicht beheben lassen würden, waren die Spuren von Materialalterung (brüchige Drähte, sprödes Leder), Anobienbefall (Holzwurm) in der Orgel allgegenwärtig und würden zunehmend Störungen verursachen. Abgesehen von der starken Verschmutzung war, durch Risse in der Windlade bedingt, eine dauerhaft stabile Stimmung der Orgel nicht mehr möglich. Das Leder der Bälge war teilweise zerrissen, so dass nicht mehr genügend Wind in der Orgel ankam.

Eine umfassende Restaurierung der Orgel wurde somit unerlässlich.

 

Vorzustand: 

   

   

   

    

 

Die Johann Michael Schmidt - Orgel ist nach der Restaurierung wieder ein Schmuckstück der Kirche, sie ist (außer der Trompete 8') wieder voll einsatzfähig und dürfte bei entsprechender Pflege wieder für viele Jahrzehnte zuverlässig ihren Dienst tun. Es hat sich wieder einmal gezeigt, welch schöne, warmklingende Instrumente mit schier unerschöpflichem Klangfarbenreichtum im Thüringen des 19. Jhd. gefertigt wurden.

 

restaurierter Zustand:

   

   

   

      

 

Trompete mit eigener Windlade, Oberwerk:

   

Bereits im Vorfeld der Restaurierung bestanden erhebliche Zweifel an der Funktionsfähigkeit der "Trompete 8' " im Oberwerk. Es handelt sich um eine außergewöhnliche Bauform. Teilweise fehlten die Schallbecher, kein Ton erklang. Insbesondere die willkürlich verlängerten Stiefel in der Mittellage verrieten bereits das Experimentieren des Erbauers.

Ziel der Restaurierung 2015 war zunächst, zu experimentieren, inwieweit sich die Funktion herstellen lässt und ob eine Restaurierung in Frage kommt.

Trotz intensiver Bemühungen (Abgleich und Ergänzung der Schallbecher, Einkleben zur besseren Abdichtung, Nacharbeiten an Zungen und Stimmvorrichtungen) war keine auch nur annähernd befriedigende Funktion herzustellen. Die wenigen funktionierenden Töne erinnern keinesfalls an einen Trompetenklang, eher an eine verhaltene Klarinette bzw. ein Harmonium.

In der Folgezeit soll über das weitere Vorgehen entschieden werden: Stillegung des Registers oder Neuanfertigung in solider Bauweise mit abgestimmten Stiefeln und Bechern.

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