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Trost-Orgel

Wandersleben

Restaurierung 1998...99

Disposition:
Hauptwerk

Quintatön 16' Schröter/rekonstruiert
Principal 8' rekonstruiert
Grob Gedact 8' Schröter
Octave 4' Schröter/rekonstruiert
Quinte 3' Schröter/rekonstruiert
Sesquialtera 2f. Schröter/rekonstruiert
Octave 2' Schröter/rekonstruiert
Mixtur 4f. rekonstruiert
Cimbel 3f. rekonstruiert
Viola di Gamb 8' rekonstruiert
Trombeta 8' rekonstruiert
Oberwerk

Principal 4' rekonstruiert
Quintatön 8' Schröter/rekonstruiert
Gedact 8' Schröter/rekonstruiert
Gemshorn 4' Schröter
Nachthorn 4' Schröter
Octave 2' Schröter/rekonstruiert
Tertian 2f. Schröter/rekonstruiert
Scharff 3f. rekonstruiert
Glockenspiel
Pedal

Violon 16' ergänzt
Subbaß 16' Schröter
Octavbaß 8' Schröter
Posaune 16' rekonstruiert
Nebenzüge

Pedalkoppel
Manualkoppel
Calcant
Tremulant

  • Tonhöhe: 494 Hz
  • Stimmung: Neidhard III
  • Manuale: C, D...c3
  • Pedal: C, D...c1

   

 

Der Auftrag zum Bau einer neuen Orgel erging am 22. Jan. 1724 an den Erfurter Orgelmacher Johann Georg Schröter. Bereits am 26. Januar 1724 wurde der Vertrag geschlossen. J.S. Schmaltz, der von 1740-1751 seine Werkstatt in Wandersleben, danach als Hoforgelmacher in Arnstadt hatte, führte 1760 eine Reparatur und eine Erweiterung um einen Violonbaß aus. 1770 wurde das Werk mit einem Glockenspiel versehen. Nach dem Tod von Schmalz übernahm dessen Schwiegersohn L.W. Hähnert aus Arnstadt die Pflege. Um 1830 baute Hähner eine neue Klaviatur ein und fügte Hohlflöte 8' statt der Trompete 8' ein. Außerdem erwähnt er im OW ein Tertian statt Quinte 1 ½, und eine Hohlflöte 2' statt der Spitzflöte 2'. Für 1845 und 1862 sind Arbeiten der Schmiedefelder Werkstatt F.W Holland bezeugt.

Der gravierendste Umbau der Orgel dürfte vermutlich 1896 durch Hugo Böhm, damals noch Waltershausen, erfolgt sein (belegt durch Inschrift in der Orgel). Die originale Balganlage wurde hierbei abgebrochen und statt dessen ein Magazinbalg mit Schöpfer eingebaut. Die alten Pedalwindladen wurden über diesem angeordnet und mit einer neuen Register- und Tontraktur (zum Teil strahlenförmig) angeschlossen. Auch die Kanalanlage wurde völlig erneuert. In Zusammenhang mit diesem Umbau mußte natürlich auch das Tragwerk geändert werden. Bei diesem oder einem weiteren Umbau war sogar ein Schwellkasten für das Oberwerk geplant, wie ein entsprechender Ausschnitt im alten Pedalvorsatzbrett und diverse Füllungen auf der Empore bezeugten. Daß er tatsächlich zur Ausführung kam ist eher unwahrscheinlich. Das Glockenspiel erhielt eine pneumatische Traktur (vermutlich die alten Glocken). Eine genaue Zuordnung dieser letzten Arbeiten war mangels Unterlagen nicht möglich. Im weiteren Verlauf verfiel das Instrument immer mehr, wozu auch unvollendete Reparaturarbeiten, Marderschäden und Vandalismus gehörten.

 

      

 

Nach Sichtung der erhaltenen Substanz ergab sich, daß kein befriedigender „gewachsener Bestand" erkennbar war. Abgesehen vom desolaten Zustand, dem großteils demontierten Pfeifenwerk erschien auch der Einbau des Magazinbalges nicht gerade glücklich. Die hohe Aufstellung der Pedalladen war sicher Anlaß auf den bereits 1760 eingebauten Violonbaß 16' wieder zu verzichten. Hinzu kam, daß die gesamte Statik des Werkaufbaues unbefriedigend gelöst war und die relativ lange Tontraktur zum Pedal über je zwei zusätzliche Winkel geführt war. Somit wurde von Anfang an eine Rückführung auf den Erbauungszustand angestrebt. Nach Sichtung der erhaltenen Schröter-Orgeln, Auswertung der schriftlichen Unterlagen und Spurensuche am Objekt ergab sich jedoch auch für den Urzustand kein eindeutiges Bild. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Windanlage konnte nicht befriedigend geklärt werden. Vermutlich ist der Prospekt nach hinten gerückt worden, doch selbst das war nicht zu beweisen. Deshalb wurde in diesem Bereich auf eine fragwürdige Rekonstruktion verzichtet und nur ein Regelbalg für das Schleudergebläse aufgestellt. Die Pedalladen konnten wieder nach hinten verlegt und die Trakturen stilistisch passend ergänzt werden. Im Bereich der Manualladen sind Windladen und Trakturen unverändert erhalten. Die Spielanlage wurde nach der einzigen vollständig erhaltenen in Niedernissa kopiert.

Ein Großteil des Pfeifenwerkes mußte rekonstruiert werden, wobei versucht wurde dem Erbauungszustand so nahe wie möglich zukommen. Glockenspiel und Violon 16’ wurden beibehalten, bzw. rekonstruiert.

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